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Mittwoch, 7. Mai 2014

Von Dingen, die passieren können.

Jedes Jahr im Sommer kursieren von Neuem auf Facebook, Twitter und co abschreckende Schautafeln von der Hitzeentwicklung in geschlossenen Autos bei frühlings- und sommerhaften Temperaturen und Videos von Eltern, die ihre Kinder "nur mal kurz" im Auto zurücklassen, und damit das Leben das Kindes aufs Spiel setzen.
In dem einen besonders beliebten Video verquatscht sich die Mutter beim gemütlichen Einkaufen mit einer Bekannten und als sie zurückkommt, ist trotz eingeschlagener Scheibe das zurückgelassene Kind schon tot.
Ehrlich? Ich halte überhaupt nichts von diesen pseudo-emotionalen viralen Sachen, die man dann 80 mal am Tag irgendwo sieht und jeder bestürzt dann kommentiert, wie dumm diese Mutter ist und dass der Videopostende sein Kind niemals alleine im Auto lassen würde, Diskussionen über "nur mal kurz" und "gar nicht" und "unwissend" und jeder will der bessere Elter sein, und man sinniert, wie schlimm es ist, dass man sowas überhaupt sagen muss und so weiter.
Oft erweckt das bei mir leider den Eindruck, das Video wird nur geteilt um den anderen vermeintlich dümmeren, unwissenderen Eltern, die ihre Kinder nicht so sehr beschützen wollen wie man sein eigenes, zu zeigen, wie aufgeklärt man selbst doch ist, und dass einem so etwas nie passieren wird, weil man klug und vorausdenkend ist.
Das klingt böse, aber mich nerven diese viralen dramatischen Tränendrüsendrücker.

Darum erzähle ich euch nun, was mir heute passiert ist!

Wie jeden Mittwoch (da hätte ich ja aber eigentlich schon hellhörig werden müssen - denn mittwochs passieren meiner Freundin Martina und mir eigentlich IMMER kleine Katastrophen!) waren wir, zusammen mit Freundin und ihrer Tochter, in der Stadt und auf dem Markt einkaufen.
Nach einem für die Kleinen anstrengenden Marathon und vielen Läden, Bücherei und Frischluft war Ben ganz schön müde, und darum schlecht gelaunt und er schimpfte und meckerte schon auf dem Weg zum Auto.
Dort angekommen lade ich Ben ein, der meckert und weint und ich verstehe nicht, was er von mir will, ich räume so lange die Einkäufe ins Auto und gehe nochmal zu Ben, der "Meaaaa Ramo(=Auto)!!" kreischt und ich keine Ahnung habe, wie ich ihm nun mehr Auto bieten soll?! Ich beruhige ihn, lade noch den Buggy ins Auto, mach seine Tür zu und will einsteigen - die Fahrerseite ich zugeschlossen. Der Schlüssel lacht mich vom Beifahrersitz her aus. Alle Türen sind zu. Ich denke kurz, das sich mich nur irre und das nicht sein kann, weil ich immer so aufpasse, dass das nicht mal passiert. Aber nein, es bleibt dabei: Auto zu.
Ich stand da, nur das Parkticket in der Hand, keine Ahnung wieso mein Auto plötzlich zugeschlossen war (muss wohl im Auto irgendwas drauf gestanden sein, dass es die Fernbedienung auslöste!) ... Und erstmal kurz in Panik ausgebrochen. Kein Mensch weit und breit zu sehen, und ich musste dann ins Treppenhaus vom Parkhaus, um jemanden mit Handy zu finden.
Das war das Schlimmste, weg vom Auto gehen -  und das weinende Kind im Auto wissen!!!
Ich fand dann eine hilfsbereite junge Frau, die mich gleich telefonieren ließ und beruhigte.
Ich rief dann die Polizei an, war meine erste Idee... Weiß nichtmal ob sie oder ich gewählt hat... Die Polizei hörte sich meine Geschichte an und verband mich mit der Feuerwehr, wo ich nochmal alles erzählen musste! Die ließen sich am Telefon ewig Zeit, die Straße rauszusuchen, so dass ich letztendlich noch den Mann am Telefon anschnautzte, ob er sich nicht ein bisschen beeilen kann!

Okay, er sagte, die Feuerwehr kommt schnell, die ist direkt um die Ecke.
Ich zurück zu Ben, der aber dann ruhig im Auto saß und nur verwirrt guckte. Spielte noch ein bisschen verstecken hinter dem Autofenster mit ihm.
Nach (ewigen!) 10 Minuten kam die Feuerwehr, meinte, die können das hintere Fenster rausschneiden, was aber ganz schön aufwändig und laut und so ist, ob's nicht noch jemanden mit Schlüssel gäbe. Dann versuchten wir meine Mutter anzurufen, bekamen sie dann auch ans Telefon, nachdem sie wohl von der Feuerwehr an ihrer Schule ausgerufen wurde... Ich bekam es gar nicht mit, auf einmal drückte mir jemand ein Telefon mit meiner Mutter ans Ohr.
Mama sagte, sie hat meinen Wohnungsschlüssel dabei, zur Wohnung sind es von ihrer Arbeit 3 Minuten, und in meiner Wohnung war mein Ersatz-Autoschlüssel. Sie fuhr dann zu mir heim, die Polizei auch, Mama gab der Polizei den Schlüssel und die Polizei fuhr mit Blaulicht zurück ins Parkhaus.Das alles dauerte natürlich, und in der Zwischenzeit weinte Ben so schlimm und konnte gar nicht verstehen, wieso ich da stehe und nicht auf mache! Ich wollte den Feuerwehrmann schon anflehen, endlich das scheiß Fenster einzuhauen, damit ich Ben beruhigen kann!
Dann hat einer der Feuerwehrmänner einen langen Draht geholt und es mit dem geschafft, über das Fenstergummi den Knopf der Türverriegelung von innen hochzuziehen und mein Auto zu öffnen.

Ich erstmal Ben abgeschnallt, der total hysterisch geschluchzt hat ... Dann gleich auf die Kirche zeigte und noch verschwitzt und schluchzend "DIN-O!! DIN-O!!!" (ding-dong!) rief.
Dann kam irgendwann die Polizei mit meinem Schlüssel, den ich dann ja aber nicht mehr gebraucht hab. Mit denen hab ich noch kurz gesprochen, die mich nochmal beruhigten und sagten, sowas passiere fast täglich und sei ihnen selbst auch schon passiert.
Zahlen muss ich nix, gehört zum "Service"...
Ich selbst bin erstmal fertig mit den Nerven und saß dann noch ne halbe Stunde mit Herzklopfen im Auto und hab Ben am Lenkrad spielen lassen (DAS meinte er nämlich mit "mea Ramo!"...)

So.
Auch wenn ich immer so Angst hatte dass mir mal sowas passiert, in Eile und Hektik und ohne Hosentaschen und mit weinendem Kind - man kann nicht immer 100% an alles denken, und schwupps passiert es!
Ich erhebe keinen mahnenden Zeigefinger und erzähle euch nicht, wie panisch man wird, wenn man sein weinendes Kind 40 Minuten (so lange dauerte die Aktion!!!) im verschlossenen Auto bei nur 11 Grad in der Sonne sieht. Denn ich weiß (und wusste es schon vorher): das kann jedem passieren. Auch wenn man vielleicht beim Lesen denkt "meine Güte ist die doof. selbst schuld.".
Vielleicht könnt ihr euch überlegen, ob es sinnvoll ist, einen Ersatzschlüssel bei irgendwem zu deponieren, wo ihr euch meist in der Nähe aufhaltet oder der schnell bei euch sein kann, damit in solchen Fällen schnelle Hilfe da sein kann?

Ich brauche so eine Erfahrung jedenfalls nicht nochmal.

Und mehr als vorher kann ich mir nicht vorstellen, dass wirklich jemand da draußen auf die Idee kommt, sein Kind freiwillig und absichtlich im Auto zu lassen... Und nein, es war kein Sommer, keine Absicht und dauerte dennoch 15 Minuten bis jemand da war, der helfen konnte und 40, bis geholfen war! Umso mehr schwingt da "was wäre gewesen wenn...." mit!