Spinnentage.
Die Tage, an denen ich kurz mal verstehe, weshalb manche Spinnenmamas ihre Spinnenkinder auffressen.
Oh,
ich kann euer empörtes Schnauben schon hören... Ich meine es ja nicht
so.. oder doch...? Nein, natürlich nicht, auch wenn ich ab und an mal
sage, ich beiße ihm gleich die Nase ab, oder drohe, ich fress' ihn auf,
weil er so putzig ist. Aber nein, das meine ich ja gar nicht.
Wem der folgende Eintrag zu lang scheint: Unsere Nächte sind beschissen. Ben tut mir leid und ich bin müde. Punkt.
Die Sache mit dem Abstillen - und wie schnell ich davon abgekommen bin.
Wo fange ich an? Damals, als ich hier schrieb, ich mag das Gordon-Programm zum nächtlichen Abstillen
für 7 Stunden für den besseren Schlaf, war ich guter Dinge. Allerdings
war es nach 4 Nächten leider für mich nicht mehr tragbar, Ben
bekam Zähne, er litt merklich, ich schlief beim Stillen ein, so sehr
ich mich anstrengte, und somit verschob ich das Ganze und wollte später
wieder weitermachen. Soweit, so gut.
Zwischen Kleinkindschlaf und erholsamen Nächten
Die
oberen Backenzähne bahnten sich an. ich wollte das Kind nachts nicht
noch mehr leiden lassen. Und es war dann auch für mich okay und nicht
mehr ganz so anstrengend wie vor dem Gordon-Versuch.
Die Backenzähne waren irgendwann durch, dann bahnten sich die oberen
Eckzähne an, das ging fließend ineinander über. Es wurde aber auch ein
bisschen ruhiger. Die Abstände zwischen einschlafen und erstem Mal rufen
wurden etwas länger, es waren erst 2, dann 3, dann 4 Stunden, und wir
konnten abends einen Film am Stück schauen, ich fühlte mich nicht mehr
so gehetzt. Es wurde besser, ruhiger, ich war hoffnungsvoll. Dachte: So,
langsam wird das alles. Von ganz alleine. Siehste!
Kaum
streckten sich die Spitzen aus den Ecken, gab es eine Nacht, DIE Nacht,
es war Dienstag auf Mittwoch, denn Mittwochs gehe ich immer auf den
Markt und ich weiß noch, wie ausgeschlafen und glücklich ich war an
diesem Marktmittwoch - diese Nacht war super.
Er schlief, ich weiß es nichtmal mehr genau, etwa 8 Stunden am Stück. Noch nie da gewesen.
Ab dieser Nacht ging es mit der Regelmäßigkeit beim Schlafen stetig bergab.
Was also gut war und immer besser wurde: ca. 20 Uhr gehts
ins Bett, 3-4,,5 Stunden Schlaf am Stück, ab da ab und an stillen,
weiterschlafen, wach ab 8.15 Uhr, wurde stetig schlechter,
unregelmäßiger, unruhiger. Durchzogen mit viel weinen, lautem weinen,
hin und her wälzen, parallel dazu knibbeln
an der anderen Brust und kreischen, sobald ich die Hand wegzog oder
versuchte abzulenken. Ich weiß nicht, wieso. Ich weiß nicht, was ich
dagegen tun kann.
Ich weiß nichtmal, wie viele Zähne noch fehlen. Nicht etwa, weil ich eine Rabenmutter bin,sondern weil es sowieso egal scheint. Ben
lässt mich kaum gucken, und es ist ja scheinbar so, die einen Zähne
sind da, die nächsten kommen, und wenn sie da sind, schläft er auch
nicht besser.
Dann kamen die Viren zu Besuch.
Dann wurde Ben krank, er hustete, fieberte, hustete immer mehr, fieberte immer mehr, bis wir beim Notdienstvertretungskinderarzt saßen, und mit der Diagnose Atemwegsinfektion, Hustenlöser geben und wenns
nicht besser wird, wieder kommen. Es wurde besser, die Nächte blieben
unruhig, und wir reden hier nicht von ab und an mal husten oder 2 mal
die Nacht wach werden, nein, wir sprechen von stündlichem Stillen, von
weinen und schreien und sich wenig beruhigen lassen, um sich schlagen,
Mama rufen, auch wenn ich daneben liege. Fieber war weg und der Husten
auch.
Dann wurde ich krank, Halsschmerzen,
Nebenhöhlenentzündung, lag 2 Tage auf dem Sofa, der kleine Mann war ganz
lieb und spielte tapfer mit, auch wenn er nur ums Sofa herum spielen
konnte und ich nur das Nötigste geschafft habe. Gesund war ich danach
nicht, aber ich war zumindest wieder einsatzfähig. Kaum war ich wieder
halbwegs fit, wurden die Nächte noch wilder. Ben schrie. er brüllte, er wachte auf und brüllte
"WEHWEH, WEHWEH!!!" er ließ sich nicht beruhigen, kein stillen, alles war doof. Fieberte wieder, mit Paracetamol
und ach und Krach quälten wir uns durch die Nacht und zum Kinderarzt am
nächsten Tag.Virusbedingte Mittelohrentzündung (das heißt dann nur
nicht Mittelohrentzündung, ist ja egal) und wir bekamen ein Antibiotikum
mit, falls es übers Wochenende noch schlimmer werden sollte. Samstags
war es dann aber wieder etwas besser, die Nacht etwas ruhiger, Gut. Das
war letzten Freitag.
Nun ist mein Mann auch noch krank, mein Hals seit 2 Tagen wieder besser (Ich habe das nun 3 Wochen gehabt. Ben 2 Wochen.). Seit Bens
Erkältung ist er nun abends länger wach, gestern bis 22.30, will und
kann nicht schlafen. Morgens aber ab 7.30 Uhr statt 8.30 Uhr wach,
Mittagsschlaf ist dann schon um 11 und dann aber gegen 16 Uhr nochmal,
alles ist verschoben, ich muss beim Mittagsschlaf dabei bleiben oder
zumindest lange dabei bleiben, auch hier schläft
er extrem unruhig. Ich frage mich ja nun nicht mehr. Ob das die Zähne
sind, Wachstumsschmerzen, das Ohr, das doch noch nicht besser ist? Das
ändert es auch nicht.
Tags ist seit 2 Wochen eigentlich alles "Nein".
Ben ist eigentlich ein sehr
fröhliches Kind und wir werden oft angesprochen, was für ein nettes, freundliches, strahlendes Kind
das doch sei. In den letzten 2 Wochen etwa ist das aber eher
Glückssache. Klar, wenn ich nachts SO schlafe, habe ich tags auch keinen
Bock auf irgendwas. (und ja, ich schlafe SO seit Wochen.)
Alles
ist nein. Wenn ich zu viel nachfrage, bricht
er in Tränen aus. Sagt aber auch nicht, was er gerade braucht. Essen,
nein, schlafen nein, aufstehen nein. nichts. Ich muss Dinge dann trotz
"nein" doch machen, und das mache ich dann ungern, aber plötzlich ist es
dann doch okay.
Heute war es besonders schlimm. Ich musste ihn pausenlos tragen zuhause. Das mag mal gehen, Manduca
sei Dank, aber eben nicht immer. Wenn ich auf die Toilette gehe, will
er in meine Hose steigen, um bloß bei mir zu sein. Er brüllt, sobald ich
ihn eben kurz mal nicht tragen oder halten kann oder ihm sage, dass ich
ihn nicht mehr stillen kann für den Moment, weil es mir weh tut. Er ist
für den Moment kein Tyrann, kein trotzendes Kind, das ausprobiert, wie
weit er mich ärgern kann. Er ist wirklich verzweifelt, traurig, er
braucht die Nähe gerade einfach sehr. Es hat nichts zu tun mit "musst
ihm halt mal sagen, wer der Chef ist" oder so einem Schwachsinn. Darum
geht es nicht.
Und wo bin ich dabei?
Ich weiß nicht, wie es nun weitergeht, ob sich nach der Erkältung,
wenn die Viren sich endlich wieder aus dem Staub gemacht haben (jetzt
gerade haben sie es sich ja erstmal beim Mann bequem gemacht!), alles
einpendelt. Ich weiß nicht, ob ich dann irgendwann einen neuen Gordon-Versuch unternehme. Ob es besser wird, von alleine.
Vorhin fragte mich mein Mann, wieso ich mich nicht mit ihm und Ben
gleich schlafen lege. Der Grund ist, auch wenn ich super müde bin, dass
ich heute noch keine 5 Minuten für mich hatte. Ich habe es nichtmal
geschafft, dein Einkaufszettel in Ruhe zu lesen, ich habe es einige Male
versucht, wurde aber immer unterbrochen, weil die ungeteilte
Aufmerksamkeit eben nicht auf Ben lag. Ich mag Mails beantworten, auch mal Twitter
nachlesen, was ich derzeit oft einfach nur überfliege, ich musste die
Wäsche trocknen und das Abendessen aufräumen. Durch die Wohnung gehen
und Spielzeug wegräumen, damit ich morgen froh, wenn ich wieder gerädert
aufstehe, nicht noch frustrierter sein muss. Die freie Zeit habe ich
nun genutzt, das hier zu schreiben, um es festzuhalten. Meine
Mittagspause quasi, denn als Ben
mittags schlief, fuhr ich Auto, und als er dann nochmal schlief, musste
ich daneben liegen bleiben, weil er sofort hochschreckte und mich
suchte.
Die meiste Zeit bin ich gelassen, und kann mich vom Genervtsein
frei machen. Mir sagen, dass er das nicht macht, um mich zu stressen,
und dass er mich momentan einfach dringender braucht. Mit ihm rausgehen,
weil ich dann das Gefühl habe, ihm etwas anderes als mich bieten zu
können. Auch wenn er beim Spielplatz auch an mir klebt und sich dort
nicht beschäftigt, wenn ich nicht direkt, am
Besten mit Körperkontakt neben ihm stehe. Das war auch mal besser, und es wird auch mal wieder besser.
Aber
wenn ich dann bemerke, dass ich mehrere Dinge vergessen habe, Leute
nachfragen, wieso ich mich nicht zurückmelde, mich andere Menschen ärgern oder dass Unnötiges
zusätzlich schief läuft wie z.B. mein Auto, das gestern Abend nicht mehr
an sprang, oder die Handwerker, die zusätzlich im Hausflur mit 3
Schlagbohrern gleichzeitig auf 5 Stockwerken das Treppenhaus aufrissen
und ich das Gefühl hatte, sie bohren direkt auf meinen Nerven herum,
dann ärgere ich mich doch ein bisschen und sage ihm auch, dass er gerade
echt anstrengend ist, und ich ihn trotzdem lieb habe, aber dass ich
gerne wüsste, wie ich ihm helfen kann.
Und abends brauche ich dann eben nicht mehr viel, eine Serie oder Niveaulose Sendung im TV, Twitter und das wars
dann. Selbst zum Nähen bin ich dann zu erledigt und frage mich, woher
dann Superblogger ihre Zeit nehmen und ihre Energie investieren.
Meine fließt derzeit einfach ins Kind. Nahezu komplett.
Mein Mann entlastet mich natürlich wo's geht. Es ist natürlich so, dass er tags arbeitet und ich es nicht möchte, dass er dann nachts aufwacht. Er hat mir schon mehrfach angeboten, dass ich mal eine Nacht auf dem Sofa verbringen um einfach ausschlafen zu können. Aber sobald ich Ben dann weinen höre, halt ich das natürlich nicht aus. Ich möchte ja auch nicht, dass er leiden muss.
Das ins Bett bringen erledigt mein Mann seit einigen Monaten. dabei akzeptiert bin sogar mittlerweile die Milchflasche. Somit bin ich am Abend auch etwas entlastet. Wochenendes nimmt mein Mann Ben dann morgens oft aus dem Schlafzimmer, so dass ich noch ein bisschen schlafen kann. Meistens bin ich dann aber sowieso schon wach und kann nicht mehr einschlafen.
das alles meine ich
auch gar nicht so negativ, wie es vielleicht klingen mag.
Ich habe auch
nicht das Bedürfnis, abends einen draufzumachen, ich möchte nur, dass
es meinem Kind bald wieder besser geht, es mit all dem, was es neu kann,
wieder zurecht kommt und wieder ausgeglichener wird.
Es ist ja auch nicht so, dass er mir keine Freude machen würde. Er macht putzige und lustige Dinge und wenn ich ihm den Arm anknabbere lacht er sich kaputt. Er sieht einen Hundewelpen Schnürsenkel anknabbern, und steckt sich diesen Schnürsenkel dann selbst in dem Mund. Er sagt Drögldrö und meint Joghurt und sagt Bescheid, dass die Katze auf dem Tisch sitzt und sie das nicht darf, er bringt mir undefinierbare Plastikteile und wenn ich frage, wo er das her hat, versucht er es mir mit aller Kraft und Händen und Füßen zu erklären und hat Geduld mit mir, wenn ich seine Erklärung zuerst für eigenartige Spinnereien ohne Sinn halte.
Wie kann man einem so lieben und lustigen Kleinkind lange genervt sein. Geht ja gar nicht.
Er tut mir nur leid und ich bin müde.
Ich
wollte nur mal erzählen, wie es so ist, damit ich in ein paar Monaten
nachlesen kann und schmunzeln kann und denke: Ja, so war es einmal, ein Glück
ist es nun besser.