Montag, 13. Januar 2014

Tagebuchbloggen mit Krawalltagsoße - die Fortsetzung

Jemand verucht, über mein Gesicht zu kriechen. Ich stöhne, schäle ein giggelndes Kind aus dem Schlafsack und bekomme postwendend 2 schweißige Kinderkäsefüße ins Gesicht gedrückt. Riechen soll ich, und beurteilen, wie schlimm die Füßchen stinken. Tun sie wirklich, und mein "Puuuh!" schüttelt heftigste Kinderlachsalven aus dem Kind. Um mir dann die Käsequanten wieder an die Nase zu halten. Ellenbogen bohren sich in meine Rippen und Kinderhände ziehen an meinen Wimpern.
Ja, Guten Morgen, Sohn. Er steht auf, läuft auf dem Bett spazieren. "Nicht laufen!!!" Rufe ich, wie immer eben, und zwinge ihn in die Knie- er wälzt sich lachend auf dem Bett, rappelt sich auf, steht wieder auf. Ich schimpfe, stelle ihn vors Bett und stehe auf.
Während ich mich anziehe, zieht er sich meinen BH über den Kopf, räumt den Eimer von der Katzentoilette aus, fährt mit dem Bobbycar gegen die Badewanne, als sei die Wanne Gleis 9 3/4 und er müsse dringend nach Hogwards.
Zum Anziehen muss ich das Kind einfangen. Er fegt gerade das Badezimmer und ist empört. Auf dem Boden liegt der kleine Kehrbesen, meine Mascara (woher hat er die??), die Tüte mit dem Katzenstreu hat er aus dem Eimer geräumt. Mutter, ich bin SCHWER beschäftigt, ich will jetzt aber nicht auf den Wickeltisch!!! 
Er ist angezogen, gekämmt und poliert und hängt mir, wie jeden Morgen, beim Frühstück machen am Bein. Kurz beschäftigt er sich mit der Besteckschublade, ich wusste gar nicht, dass er da nun ran kommt. Er räumt eine Kindergabel aus, legt sie auf den Boden und ich trete rein.
Es geht nicht schnell genug, der Hunger ist riesengroß, gleich beißt er mir bestimmt ins Bein!
Gottseidank, gerade noch geschafft. Frühstück steht auf dem Tisch, Kind isst Kiwi, Tomate, Frischkäsetoast, das Würstchen wird verschmäht. Letzte Woche ließ er alles bis aufs Würstchen liegen. Lern bald sprechen, dann weiß ich auch, was du willst, Sohn ...

"Schuhe und Jacke anziehen!" Wieder renne ich dem Sohn durch die Wohnung hinterher. Er lacht sich kaputt. Jaaaa, witzig! Erst als ich ihn auffordere, seine Mütze zu holen, bekomme ich ihn ausgetrickst. Na, dann kanns ja los gehen. Ein letzter Blick in den Spiegel, um mir meine Haare auf den Kopf zu wurschteln, und ich trete auf den Kehrbesen. Kaputt. Glückwunsch.

Als wir einkaufen gehen wollen, bin ich erstmal unsicher, ob ich nur geträumt habe, dass ich den Aufzugsrepariermann draußen gehört habe (der muss vor unserer Tür die Leiter hoch, und so bekomme ich das normalerweise ganz gut mit). Als wir dann gehen wollen, bin ich ganz erleichtert:

(1) Der Aufzug geht wirklich wieder! 4 Stockwerke mit Kleinkind und Einkäufen sind einfach doof. Klar ging es nun in den letzten 8 Tagen, aber wenn ich's auch anders haben kann - dann nehme ich das doch gerne. Jedenfalls: Hurra! Ich begegne 2 Nachbarn, welche beide sagen, dass sie auf keinen Fall mit dem Aufzug fahren. Denn wer weiß schon, ob er nun wirklich wieder geht...? 

(2) Wir gehen einkaufen, aber das Kind zahnt und ist nicht so fröhlich, umklammert seinen Spieluhrhasen. Gut, darf der Hase eben mit einkaufen. Meinetwegen auch mit bimmelnder Spieluhr. Ist ja eh alles egal, als ich so an mir herunterschaue und Frühstückstoast-Frischkäsereste an meinem Kleid entdecke. Zahnpasta am Knie. Das Kind verlangt beim Einkauf nach "Mmmnamm-Jamm!" und bekommt ein Milchbrötchen zu futtern, welches er mir in angesabberten Brösel widerum an die Jacke patscht. Hach.

Zuhause angekommen freue ich mich im Erdgeschoss sehr: Kind an der Hand, 2 Tüten in der anderen Hand, sage ich "nein Ben, nicht zu den Treppen, wir fahren heute Aufzug!", dann drücke ich den Kopf, und der bleibt dunkel. Ich drücke nochmal und sehe, dass der Aufzug schon hinter der Tür ist, aber geschlossen, dunkel und - tot. Oh Juhu, Wie lange hat er nun funktioniert? 2 Stunden? Ich treffe die Nachbarin, welche Bens "scheeenä Mietzäää" lobt (das ist die, die mich 2012 noch als Rabenmutter titulierte, als das Kind in Babyschale und Plüschsack liegend bei 12 Grad draußen für 40 Meter Fußweg "wieder ohne Mieeetzä, beeese Rabenmama!!!!" transportiert wurde.
Hurra, Treppen!
Es gibt dann Mittagessen und das Kind geht schlafen. Kurz überlege ich,ob ih mit schlafe, entscheide mich dann aber dagegen, verräume die Einkäufe, räume die Spülmaschine aus und wieder ein, räume die Spielzeugspuren vom Vormittag auf.
Kind wird wach, kommt mit ausgestreckten Armen, hochroten Wangen und Weltuntergangsgesicht, "mmmmwööööh :((((" auf mich zugerannt. Er bleibt einige Zeit an mich gekuschelt bei mir, stillt, vergräbt den Kopf, erst nach etwa 45 Minuten mag er von mir runter. Super, denke ich, kann ich mich mal noch um eine Mail kümmern, die ich gerade angefangen hatte, als er aus dem Schlafzimmer kam. Ich schreibe. Vielleicht 4 Sätze, und denke mir... Es ist still. Das ist nicht normal. drehe mich um und finde Bild
(3) vor. Ich kann nicht qanders und muss lachen. Selbst schuld, wenn du ihn aus den Augen lässt, auch wenn er nichtmal einen Meter hinter mir saß. Er weiß es nicht besser, hatte Spaß, ich bin froh, dass er so kreativ ist und sich zu beschäftigen wusste. Das ist es also, ja? Dieses Chaos, von dem sie alle sprechen, die kinderlosen oder Eltern mit älteren Kindern. ich finde es sehr nett. Es ist ja nur Filzstift, und ich wische Boden, Tisch und Kind wieder sauber. Er hilft mir, und ich erkläre ihm, dass er außer Papier eigentlich gar nichts anmalen darf. Ich lächle immer noch.
Das Wetter könnte nicht schlimmer sein und wir können leider nicht raus ... Also beschäftigen wir uns zuhause.
(4) Ich bereite Abendessen zu. Spinat, Paprika, Pilze, Schafskäse, Kartoffeln. Während ich koche, fegt Ben die Küche. Und die Spülmaschine. Er schlägt den Suppenlöffel auf die Töpfe und räumt Zwiebeln aus, stellt den Timer an der Fritteuse, beißt in Kartoffeln und schüttet das Katzenfutter um. Standartprogramm.
"Bitte räume die Zwiebeln wieder ein, dann können wir essen!" So schnell habe ich ihn noch nie aufräumen sehen. Ich helfe mit und als die Küche wieder wie eine mäßig aufgeräumte Küche aussieht, gibt es Abendessen.

Anschließend wird noch im Kinderzimmer gespielt. Werkbank, Windeleimer, Spielzeugkiste.
Der Handpuppendrache ist gefräßig wie immer und Ben schleppt alles Spielzeug an, um ihn zu füttern. Spielzeugkäsebrot, Bälle, Werkzeug, Bücher, die große Motorikschleife. Der Drache ist unersättlich. Als Ben kein Spielzeug mehr findet, das er verfüttern könnte, schaut er sich hilflos um, um kurz darauf am Teppich, den ich letzte Woche bei Ikea gekauft habe und der noch eingerollt da liegt, zu zerren. Er will dem Drachen den rieeesengroßen Teppich füttern! Ich weine vor lachen. So süß!
Ben, bist du jetzt müde, sollen wir schlafen? Schlagartig wirft er seinen Kopf auf meinem Schoß und macht laute Schnarchgeräusche. Ich werte das mal als klares "ja!"... Wir gehen ins Bad, und so lange ich das Spielzeug vom Boden räume, steigt Ben auf die Toilette... (5)! Ich bin fassungslos, stelle ihn auf den Boden, er klettert sofort wieder rauf. Ein kurzes Foto und wieder runter - Kamikaze-Ben!!

Ben, wir gehen jetzt den Schlafanzug anziehen! Er kichert, schielt zu mir  - und rennt davon. Ich jage ihn durchs Schlafzimmer, ins Wohnzimmer, schnappe ihn und lasse ihn weiter rennen. Auspowern vor dem Schlafen schadet nicht, oder? Ben lacht und lacht und versucht mir davonzulaufen... Ich fange ihn dann letztendlich doch noch, ziehe ihn um, werfe ihn ins Bett, wo er in den Schlafsack soll. NAIN! ruft er, steht auf und läuft lachend übers Bett. Ich schimpfe. Auf dem Bett wirds nicht gelaufen!!! Ich sehe ihn schon runterfallen vor Übermut... Er kichert. Ich schimpfe, sage "auf der Stelle in den Schlafsack jetzt!!!" Er erkennt den Ernst der Lage, kniet sich auf den Schlafsack und versucht mit dem Kopf ins Fußende zu schlüpfen. Das klappt nicht, also setzt er sich auf den Sack, um seine Füße zu packen und sie, wie wir, wenn wir "gute Nacht, Füßchen!" sagen, in den Sack stecken.
(6) Ich singe mich um Leib und Leben, nach jedem Lied kommt "mh?!?" und ich muss weiter singen. Ben braucht eine Stunde, um endlich so tief einzuschlafen, dass ich aufstehen kann.
Er schläft nun seit 3 Stunden und ich genieße meinen Feierabend und erinnere mich grinsend an Teppich und Filzstift, NAIN! und gehe nun auch schlafen.







Kommentare:

  1. danke dafür. ♥
    jetzt schlaf ich auch gleich lächelnd ein. ;)

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  2. Herrlich geschrieben!
    Und ja, ein Sack Flöhe ist nichts gegen einen Kleinkind- Tornado ;)

    Tip aus eigener Erfahrung: Niemals! Wirklich niemals die Handtasche erreichbar fürs Kind liegen lassen- dabei auch an Hilfsmittel wie Stühle denken. Hier war es der Edding auf dem neuen Laminat der Eltern...

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  3. Klasse geschrieben, hab selten so viel geschmunzelt :D

    Lg Susanne

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