Mittwoch, 12. Februar 2014

Die Kindergartenfrage

So hat es uns nun also auch ereilt: Im Bekanntenkreis wurde zunehmend darüber gesprochen dass man sich so langsam mal um einen Kindergartenplatz bemühen müsste, manche Bekannte hatten bereits einen, und wir wurden trotz der Kindergartenleiterinnen, mit denen ich sprach, nervöser. Also vereinbarten wir 2 Termine in 2 Kindergärten hier um die Ecke de wir dann ansehen durften. Und das war dann diese Woche so weit.

Montag Morgen sahen wir Kindergarten 1 - ich fasse mal zusammen:
groß, kindlich-bunt und optisch unperfekt, teils modernisiert, Spielzeugkisten noch aus meiner Zeit, sehr freundliche, altersmäßig gemischte Erzieherinnen, offenes Konzept: Getroffen wird sich in der Stammgruppe, wo auch die Erzieherin ist, die für das Kind zuständig ist. Morgenkreis, danach sind die Räume offen und die Kinder können sich frei im Kindergarten bewegen (an und abmelden über Magnettafel). In jedem Themenraum ist eine feste Erzieherin. Es gibt z.B. ein Kinder-Café, einen wunderschönen offenen Bewegungsraum, Spielzimmer, die Kinderstadt (Rollenspiele, Kostüme, Puppen, dazu ein Raum mit Bühne und Spiegel), Experimente (alles zum Thema Physik und Motorik), Werkstatt, Atelier (klar, ne?), und zusätzlich Angebote in den einzelnen Räumen, wunderschönen Außenbereich mit Matschecke, sowie ab 4 Jahren ein Waldangebot.Für Vorschüler gibt es Angebote direkt von der Grundschule, die einige hundert Meter in der Nähe ist, eine Lehrerin kommt dazu in den Kindergarten, macht Angebote und die Kinder besichtigen die Schule etc.

Kindergarten 2 schauten wir dann am Tag darauf an. Er ist ganz neu gebaut, erst 1,5 Jahre alt, top modern. Räumlich viel kleiner. Fast die selbe Kinderanzahl. Die Erzieherinnen insgesamt eher distanzierteres Auftreten, besonderer Wert wird gelegt auf Sprachförderung, Konzept: Nur Gruppenbetreuung, damit Defizite schneller auffallen und man darauf eingehen kann, damit Regeln und Strukturen eher gelernt werden. Offene übergreifende Angebote gibt es aber auch. Wir wurden nur kurz herumgeführt, danach gings ins Büro der Leiterin, welche sich fachlich sehr engagiert zeigte. .

Beide Kindergärten sind 200m nebeneinander, auch preislich unterscheiden sie sich kaum.

Die Frage ist, welcher Kindergarten besser zu uns passt. 
Zum Einen finde ich das offene Konzept super, der Kindergarten ist so groß und voller Ideen und Möglichkeiten.
Meine Bedenken sind, dass ich selbst als Kind wohl eher überfordert gewesen wäre oder nur Bruchteile genutzt hätte und viel mehr Wert auf Bezugspersonen legte. Und nach Kindergarten 2 eben der Gedanke: Gehen einem die Kinder da nicht durch die Lappen? Nicht, dass eines verloren geht, nein, sondern, fällt auf, wenn ein Kind in einem Bereich Defizite / Auffälligkeiten hat? Kann man im Kindergartenalter überhaupt von Defiziten sprechen? Och wäre wohl 3 Jahre lang nur im Malraum gesessen...
Ist so ein offenes Konzept dann nicht eher schwierig bei der Eingewöhnung in die festen Klassen der Grundschule?  

Ich bin mir nicht sicher, ob für Ben feste Regeln und geschlossene Umgebungen eher förderlich sind oder ob er die Möglichkeiten nutzen würde?

Wenn ich das so schreibe, ist mir eigentlich schon ziemlich klar, wofür wir uns entscheiden werden. Das sehen wir beide gleich, von der Sympathie her auf jeden Fall KiGa 1 - aber ist das eine Entscheidungsgrundlage? Angemeldet wären wir da und der Platz wäre uns auch - ich sage mal lieber "so gut wie", denn man weiß ja nie - sicher. In KiGa 2 ist es strenger geregelt, da wird hier geschaut und dort verglichen und dort beachtet und hier gerechnet...



Wir haben ja noch über 1,5 Jahre Zeit, uns zu entscheiden (bzw. zu entscheiden wohl eher ein Jahr.) und nachzudenken. Dennoch interessiert mich Eure Erfahrung zu den einzelnen Konzepten:
Habt ihr bessere Erfahrungen mit geschlossenem oder offenem Konzept gemacht? Warum? 
Wenig hilfreich fand ich bislang übrigens Kommentare wie "also im KiGa meines Kleinen gibt es reiten." ... :D Mir geht es um die Konzepte, wie Eure Kinder wovon profitieren konnten!

Kommentare:

  1. Also ich habe noch keine Erfahrungen mit meinem eigenen Sohn aber ich studiere Kindheitspädagogik und hatte schon eine Menge Praktika in verschiedenen Einrichtungen. Und ich würde mich auch für die erste Kita entscheiden. Ja das offene Konzept hat auch seine Nachteile und es ist bestimmt nicht für jedes Kind das Richtige. Aber wenn das Kind eine gute Bindung hat (was ja bei euch ganz bestimmt der Fall ist) und eine gute Eingewöhnung erfolgt, ist es eine große Bereicherung für das Kind. Bei der zweiten Einrichtung schreckt mich das Strenge und die Defizitansicht ab. Sich auf die Schwächen von Kindern zu konzentrieren sorgt nicht für ein selbstbewusstes, starkes Kind, dass sein Leben selber hervorragend meistern kann. In dem offenen Konzept aber kann sich jedes Kind selber seinen Interessen widmen, seine Stärken ausleben, Selbstbewusst werden und traut dich dann auch an Aufgaben, die ihm eher schwer fallen. So lernt ein Kind, dass es alles schaffen kann, wenn es sich traut und anstrengt. Auch wegen der Eingewöhnung würde ich mir aus dem Grund keine Sorgen machen, denn durch die Stammgruppe kennt er solche Strukturen dann ja schon und hat durch das offene Konzept gelernt, sich immer wieder auf neue Ordnungen einzustellen.
    Sooo, ich hoffe ich klinge nicht zu besserwisserisch und kann dir damit ein wenig helfen. Letztendlich kommt es immer auf die jeweilige Einrichtung, das Kind und auf sein eigenes Herz an. Du wirst sicher die richtige Entscheidung treffen! Liebe Grüße

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    1. Vielen lieben Dank für deinen tollen langen Kommentar!
      Ja, du hast recht, wir haben uns sowieso schon für den ersten Kindergarten entschieden. Ich selbst bin ja auch Heilerziehungspflegerin, und dieses fördern und fehler suchen auf Teufel komm raus finde ich auch wenig Kindgerecht. Er soll ja in erster Linie nicht hin, um ein besserer Mensch zu weren, sondern um zu tun, was Kinder so tun - spielen(d lernen).
      Liebe Grüße!

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  2. Seit Tagen möchte ich Dir schon antworten, jetzt lese ich, dass Ihr Euch schon entschieden habt. Trotzdem noch kurz meine (zugegebenermaßen überschaubaren) Erfahrungen: Das Fröschlein geht seit 01. Februar in einen Kindergarten mit offenem Konzept. Er findet es klasse und fühlt sich pudelwohl. Für mich als Mutter ist es gewöhnungsbedürftig. Ich mache mir Sorgen, dass er untergeht, überfordert ist oder gar verloren geht in diesem Riesengewusel. Es ist mir ein Rätsel, wie die Erzieherinnen den Überblick behalten, wer wo ist, denn eine Magnettafel wie von Dir beschrieben gibt es nicht. Trotzdem habe ich bislang immer beim Abholen präzise Informationen bekommen, wo ich meinen Sohn finde. Letztlich ist es wie bei vielen Dingen: es kommt meines Erachtens gar nicht so auf das Konzept an, sondern auf die Leute, die es umsetzen. Die Stammerzieherinnen in unserer Einrichtung sind klasse und machen das prima. Die Krankheitsvertretung hingegen wirkt gelegentlich überfordert und hat mir auch schon gestanden, dass sie bei den vielen Kindern manchmal den Überblick verliert. Das ist wohl bei dem Konzept auch schwer vermeidbar für jemanden, der nicht voll drin steckt. Meine Ängste rühren eher aus einer Tendenz zur Überbehütung als aus realistischen Gefahren. Sicher gibt es Momente, in denen das Fröschlein nicht richtig zurecht kommt, weil er noch nicht wie die Großen alles alleine kann und nicht jede Erzieherin genau weiß, in welcher Situation man nach ihm schauen muss. Aber: wenn es ihm wichtig ist, fordert er Hilfe ein. Und bei unwichtigen Dingen stört es ihn nicht weiter, wenn etwas nicht klappt. Das ist für mich wirklich der wesentliche Punkt: ich weiß, dass mein Kind in der Lage ist, um Hilfe zu bitten, wenn er sie wirklich braucht. Alles andere wird sich finden, und so lange er riesigen Spaß hat, kann das ganze so falsch nicht sein.

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